Epilepsie -Medizinische Aspekte
Hippokrates erkannte bereits die Epilepsie als Krankheit des Gehirns. Durch ihre erschreckende Erscheinungsform mit beängstigenden Symptomen wurde sie jedoch lange dämonisiert und ihre Erforschung behindert. Der epileptische Anfall ist eine Funktionsstörung des Gehirns, welche plötzlich auftritt und sich durch Phänomene des motorischen, sensibeln, sensorischen, vegetativen und psychischen Bereichs in unterschiedlicher Kombination äußert. Je nachdem, welcher Gehirnteil an der epileptischen Reaktion teilnimmt, können unterschiedliche Anfälle auftreten.
Epileptische Anfälle sind Zeichen für eine Funktionsstörung des Gehirns und können bei jedem Menschen jederzeit auftreten. Handelt es sich um eine vorübergehende Funktionsstörung (Fieber, Hirnhautentzündung, Alkoholentzug,....), sprechen wir von “Gelegenheitsanfällen”. Treten mehr als 3 epileptische Anfälle ohne Auslöser auf, spricht man von einer Epilepsie. Man kann davon ausgehen, dass jeder cerebrale Krampfanfall das erneute Auftreten eines Anfalls bahnt. Dadurch werden die Abstände der Anfälle kürzer und die Anfälle können auch heftiger werden.In der Regel zeigen Patienten immer den gleichen Anfallsablauf, nur wenige weisen eine Vielzahl von Anfallsformen gleichzeitig auf. Daher ist der Begriff “Epilepsie” nur ein Oberbegriff, man sollte von Epilepsien sprechen, die in unterschiedliche Epilepsie-Syndrome eingeteilt werden. Die Einteilung ist wichtig für die Entscheidung über die Prognose, d.h. den vermutlichen spontanen Verlauf der Erkrankung, die Therapiemöglichkeit und den Umgang mit der Epilepsie im Alltag.Häufigkeit des AuftretensEpilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Kindesalters und die häufigste neurologische Erkrankung generell.Die Prävalenz der Epilepsie, d.h. die Anzahl der Patienten mit Epilepsie zu einem bestimmten Zeitpunkt, liegt bei 5 – 10 0/00, d.h. 1 von 100 – 200 Personen leidet aktuell unter Epilepsie. Im Kindesalter erkranken jährlich 90/100 000 Kindern neu an Epilepsie. Die Hälfte der Patienten erkranken vor dem 10. Lebensjahr, 2/3 vor dem 20. Lebensjahr. Erst ab dem 60. Lebensjahr kommt es wieder zu einer Zunahme an Neuerkrankungen. Berücksichtigt man auch einzelne Krampfanfälle, so haben 5% der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben einen cerebralen Krampfanfall, 10% zeigen eine Anfallsbereitschaft im EEG.
Es ist also damit zu rechnen, dass in jeder Schulklasse ab 20 Kindern ein Kind anzutreffen ist, das entweder einen cerebralen Anfall bereits erlebt hat oder im späteren Leben noch erleiden wird. Statistisch müsste in jeder Schule mindestens ein Kind zu finden sein, das unter Epilepsie leidet.Einteilung der EpilepsienEpilepsien werden einerseits nach ihrer Ursache, andererseits nach ihrem Erscheinungsbild eingeteilt.Bezüglich der Ursache ist eine Dreiteilung üblich:Symptomatisch die Ursache der Epilepsie ist bekannt, z.B. HirnverletzungIdiopathisch die Ursache der Epilepsie ist eine erblich erhöhte Anfallbereitschaft, wobei ein unbekannter Auslösefaktor hinzu kommt.Kryptogen es kann nach heutigem Wissen keine Ursache gefunden werden, es wird jedoch eine unbekannte Störung (z.B. Stoffwechsel) vermutet.

