Anfallsformen

Es gibt zwei Möglichkeiten, Epilepsien zu klassifizieren. Zum einen nach ihrer Ursache:

  • Symptomatisch: Die Ursache der Epilepsie ist bekannt, z. B. Hirnverletzung, Schlaganfall.
  • Idiopathisch: Die Ursache der Epilepsie ist (vermutlich) genetisch bedingt.
  • Kryptogen: Es kann nach heutigem Wissen keine Ursache gefunden werden, es wird jedoch eine symptomatische Epilepsie vermutet.

Zum anderen nach dem Erscheinungsbild der Anfälle, wobei man zwei Gruppen von Anfallsformen unterscheidet:

  • Generalisierte Anfälle (= das ganze Gehirn ist am Anfallsgeschehen beteiligt)
  • Fokale/partielle Anfälle (= nur ein bzw. mehrere Teile des Gehirns sind betroffen)


Generalisierte Anfälle

Grand mal-Anfall:

Er verläuft in mehreren Phasen, die auch teilweise übersprungen werden können.

  • Aura: Manche Kinder verspüren ein (meist unbestimmtes) Vorgefühl von unterschiedlicher Dauer.
  • Tonische Phase: Sämtliche Muskeln versteifen sich gleichzeitig. Das Kind ist bewusstlos. Da beim Sturz die Abwehrreaktionen fehlen, kann es zu schweren Verletzungen kommen. Dauer: Sekundenbruchteile bis Sekunden.
  • Atonische Phase: Statt der Tonuserhöhung (= Erhöhung der Muskelspannung) kann es auch zum Tonusverlust kommen, d. h. das Kind wird schlaff, bewusstlos und atmet nicht.
  • Klonische Phase: Es kommt zu rhythmischen Zuckungen an allen Gliedmaßen. Auch die Zunge kann beteiligt sein, wodurch Schaum (Speichel) vor den Mund treten kann. Da die Atemmuskulatur nicht ausreichend einsetzt, kann Blaufärbung von Lippen und Gesicht auftreten. Dauer: Sekunden bis ca. 3 Minuten. Der einzelne Anfall hört in der Regel ohne äußeres Zutun von selbst wieder auf.
  • Erholungsphase: Die meisten Kinder schlafen nach dem Anfall, manche einige Minuten, andere ein paar Stunden.


Absence:
Kurze Bewusstseinspause, bei der das Kind in seiner Handlung verharrt, einen starren Blick bekommt, eventuell nach oben schaut, mit den Lidern blinzelt. Dauer: gewöhnlich nur ein paar Sekunden (= „Hans Guck-in-die-Luft“). Der Anfall beginnt plötzlich und endet ganz abrupt. Diese Anfälle können sehr häufig am Tag in Serien auftreten, manchmal hundertmal oder mehr. Die Kinder haben für die Dauer des Anfalls kein Bewusstsein, können jedoch automatische Dinge weiter ausführen (z. B. Radfahren, Laufen).

Myoklonischer Anfall:
Kurze, vereinzelte, plötzlich einschießende Zuckung von Armen, anderen Körperteilen oder auch vom ganzen Körper. Bei solch einer abrupt auftretenden Zuckung kann z. B. der Stift im hohen Bogen durch die Klasse fliegen.

 

Fokaler (Herd- oder partieller) Anfall

Einfach-fokaler Anfall:
Eine bestimmte Stelle/Region (= Fokus) im Gehirn ist in ihrer Funktion gestört. Das Kind erlebt z. B. ein Zucken der Hand, des Mundes oder spürt etwas, das eigentlich nicht da ist - je nachdem, welche Region des Gehirns von der epileptischen Aktivität betroffen ist. Das Kind erlebt den Anfall bei vollem Bewusstsein, kann aber z. B. das Zucken nicht unterdrücken.

 

Komplex-fokaler Anfall:

Stellen im Gehirn, die das Bewusstsein beeinflussen, sind in ihrer Funktion gestört. Während des Anfalls ist das Bewusstsein mehr oder weniger eingeschränkt und das Kind reagiert nur bedingt sinnvoll auf Ansprache. Dabei können komplexe Handlungsabläufe auftreten, z. B. packt ein Kind ohne ersichtlichen Grund seine Büchertasche ein oder schiebt einen Stuhl durchs Klassenzimmer. Die Anfälle beginnen und enden langsam - es dauert einige Zeit, bis das Kind wieder ansprechbar ist.

Fokale Anfälle können auch in einen Grand mal-Anfall übergehen, man spricht dann von einer sekundären Generalisierung.